Anlagetipps von „Oma Goldfinger“ - Georg Kronenberg - Journalist
Frankfurter Rundschau

Die 86-jährige Ingeborg Mootz hat ihr Vermögen in zehn Jahren verzwanzigfacht

Von Georg Kronenberg

Ingeborg Mootz sitzt am Arbeitstisch ihrer kleinen Mietwohnung, sortiert Firmenprofile, Grafiken mit Aktienkursen und ist bestens aufgelegt: „Mit 86 Jahren starte ich voll durch.“ Schließlich habe  sie einiges aufzuholen, habe 2007 Vorträge ausfallen lassen, weil sie lange krank gewesen sei, berichtet die agile Rentnerin. Aber jetzt ist die von Börsianern zur „Grande Dame der Kleinanleger“ geadelte Gießenerin wieder fit und widmet sich ihrer Lieblingsbeschäftigung:  „Ich will den einfachen Arbeitern, den Arbeitnehmern klar machen, dass man keine Angst vor Aktien haben muss, damit aber viel Geld verdienen kann“, sagt Mootz. 

Als „Oma Goldfinger und „Aktienqueen“ war sie bundesweit in die Schlagzeilen gekommen, weil sie im hohen Rentenalter mit dem Börsenhandel angefangen und ihren Aktienbesitz mehr als verzwanzigfacht hat. 1997, nach dem Tod ihres Mannes, hatte Mootz mit 1000 von ihm geerbten Aktien im Wert von 61000 Mark begonnen. Heute besitzt die bescheiden in einem älteren Mehrfamilienhaus in Gießen von 1115 Euro Rente monatlich lebende alte Dame Aktien im Wert von einer halben Million Euro. 

Streit ums Haushaltsgeld

Ein Streit ums Haushaltsgeld Anfang der 70er Jahre war letztlich der Auslöser für ihr Interesse an Finanzgeschäften. „Du kannst ja nicht mit Geldumgehen“, hatte ihr Ehemann, Buchhalter von Beruf, seiner Gattin damals vorgeworfen. Das habe sie in keinem Fall auf sich sitzen lassen wollen, sagt die resolute Rentnerin. Deshalb habe sie damals, im Alter von 48 Jahren,einen Kurs zur Vermögensberaterin gemacht.

Ihr Erfolgsrezept für den Börsenhandel klingt einfach:Nur solide Werte von großen Firmen bei Tiefstand kaufen. Nicht auf das schnelle Geld schielen. Wie das im Detail geht, beschreibt Ingeborg Mootz in ihrem „Börsenkrimi“ schnörkellos auf 82 Seiten. Ein Buch, das sie im Copy-Shop in Kleinauflagen drucken lässt und gegen 32,50 Euro inklusive Porto versendet. Wie viele Abnehmer sie bisher dafür gefunden hat, verrät sie nicht, aber es müssen viele sein – immer wieder klingelt ihr Telefon, weil Leser ihr danken wollen oder Anlagetipps erwarten.Letztere gibt die alte Dame mit großem Engagement und schließt immer mit dem ausdrücklichen Hinweis: „Kontrollieren Sie alles genau nach, was ich ihnen gesagt habe. Ich kann nur Tipps geben. Denken müssen Sie schon selbst.“

Als nächste Projekt plant Ingeborg Mootz eine Autobiographie – in erster Linie umanderen Frauen zu zeigen, was man erreichen kann. „Man muss sein Schicksal selbst in die Hand nehmen“, lautet ihr Credo. „Man darf es nicht anderen überlassen.“ 

Mootz live: „Keine Angst vor Aktien“ ist der Titel des Vortrags von Ingeborg
Mootz am Sonntag, 16. März, um 15 Uhr auf der Ausbildungsmesse „Chance“ in den Hessenhallen Gießen. Infos unter www.messe-giessen.de

(Frankfurter Rundschau, 14.3.08)

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