Halb so wild - Georg Kronenberg - Journalist
Frankfurter Rundschau

Bundesbildungsministerin Bulmahn zur Juniorprofessur

Die Nachwuchswissenschaftler an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften geben ein harsches Zwischenzeugnis zur Einführung der Juniorprofessur ab: Zu viele Hausberufungen, unklare Bewertungskriterien, fehlende Anschlussperspektiven, hohes Alter der berufenen Kandidaten, Abzweigen von Fördermitteln durch die Universitäten. Wie sieht Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) das Kernstück ihrer Hochschulreform?

Interview: Georg Kronenberg

Frankfurter Rundschau: Viele Juniorprofessoren sind offenbar unsicher, was ihre erworbenen Qualifikationen nach Ende ihrer sechsjährigen Stelle wert sind. Sie fahren lieber zweigleisig und wollen zusätzlich habilitieren. Was eigentlich überflüssig werden sollte. Macht die Einführung der Juniorprofessur da überhaupt Sinn?

Edelgard Bulmahn: Ein Drittel will laut der Befragung der Jungen Akademie habilitieren, ein Drittel hat ganz klar gesagt: Wir machen das nicht. Ein weiterer Teil ist unsicher, das ist richtig. Die Unsicherheit ist verständlich, weil wir mit der Juniorprofessur in Deutschland einen neuen Weg beschreiten, das wird oft vergessen. Weltweit ist das Modell seit langem etabliert. Aber ein Teil der Verunsicherung rührt auch daher, dass beim Bundesverfassungsgericht ja ein Normenkontrollantrag CDU-geführter Länder gegen die Hochschul-Dienstrechtsnovelle anhängig ist.

FR: Die Zahl der Stellen-Ausschreibungen für Juniorprofessuren geht laut der Studie der Jungen Akademie zurück. Juniorprofessuren scheinen in der Bundesrepublik bisher wenig attraktiv zu sein.

Bulmahn: Das ist falsch. Die Zahl der Ausschreibungen geht nicht zurück. Wir hatten im Gegenteil zum Beispiel auf die 350 inzwischen besetzten Stellen über 4000 Bewerbungen. Das zeigt deutlich, dass es hier eine sehr große Nachfrage gibt. Wir haben im Ministerium bisher insgesamt über 800 Förderungen zugesagt. Damit haben wir innerhalb von knapp zwei Jahren schon fast ein Drittel der rund 3000 Förderungen für Juniorprofessuren erreicht.

FR: Weil schlicht viele bisherige Stellen in Juniorprofessuren umgewandelt werden, wie junge Wissenschaftler kritisieren. Damit die Hochschule in den Genuss der 60 000 Euro Bundesförderung pro Stelle kommt?

Bulmahn: Bei der Kritik wird nicht zur Kenntnis genommen, dass es genau Absicht ist, die Assistenz-Stellen in Juniorprofessuren umzuwandeln. Den Personalstatus "Assistenz" gibt es nach dem neuen Hochschulrahmengesetz nicht mehr. In keinem anderen Land gibt es jemanden, der mit 35, 36 Jahren noch Assistent seines Professors ist. Genau das ist ja der eigentliche Unterschied: Ein Juniorprofessor oder eine Juniorprofessorin lehrt und forscht selbstständig. Im übrigen unterstreicht die Junge Akademie auch, dass alle Juniorprofessoren das Selbstständig-Arbeiten-Können für außerordentlich gut halten. Und dass diese Selbstständigkeit der Hauptgrund war, warum sie sich auf die Stellen beworben haben. Wir haben außerdem bei den Juniorprofessuren 30 Prozent Bewerbungen und 15 Prozent Berufungen aus dem Ausland. Das ist erheblich höher als es normalerweise der Fall ist. Und wir haben einen deutlich höheren Anteil von weiblichen Berufungen - mit fast einem Drittel der Stellen. Was ich außerordentlich positiv finde, denn wir sind ja im internationalen Vergleich auch da wirklich weit abgeschlagen.

FR: Dabei scheinen die Fördermittel aber nicht immer bei den Stelleninhabern anzukommen. Laut der Akademie sagt ein Drittel der Juniorprofessoren, sie hätten kein Geld für die Forschung.

Bulmahn: Da muss ich was klarstellen: Die Mittel aus meinem Haus werden als Zuschuss für eine investive Grundausstattung der Juniorprofessuren gezahlt. Es sind also keine klassischen Projektmittel. Und wenn es eine Förderung aus meinem Haus gibt, kommt das Geld auch bei den Juniorprofessoren an. Das wird geprüft. Es hat einen einzigen Fall gegeben, bei dem die Geldverteilung kritisiert worden ist. Das ist dann klargestellt worden und die Mittel sind im vollen Umfang bei der Juniorprofessorin angekommen. Ganz entscheidend ist, dass sich eine Hochschule sehr bewusst für ihre Juniorprofessoren einsetzt. Das geht auch aus der Studie der Jungen Akademie hervor. Beispielsweise hat sich die Uni Marburg massiv dafür eingesetzt, dass auch das Land einen Anteil zur Ausstattung der Juniorprofessuren beisteuert. Dadurch haben die Marburger Juniorprofessoren jetzt sehr gute Startbedingungen. Es steht natürlich jeder anderen Hochschule offen, genauso zu verfahren.

(Frankfurter Rundschau 30.7.03)
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