Belegte Brötchen in der Hightech-Station - Georg Kronenberg - Journalist
Frankfurter Rundschau

Für Verpflegung ist im Limburger ICE-Bahnhof gesorgt, aber sonst fehlt jede Infrastruktur / Stadt stellt Toilette

Von Georg Kronenberg

Mit bis zu 2 000 Fahrgästen täglich ist die Existenz des ICE-Bahnhofs Limburg-Süd inzwischen zwar dauerhaft gesichert. Die Infrastruktur rund um das "mittelhessisches Tor zu den Zentren Europas" fehlt aber noch völlig.

Limburg · 10. Februar · Morgens um halb sechs stehen die nach Frankfurt fahrenden Pendler am Kiosk von Klaus Müller schon Schlange. Backwaren und belegte Brötchen sind ein gefragtes Gut, "weil die nämlich in Frankfurt viel teurer sind, deshalb nehmen viele ihr Frühstück hier mit", berichtet Müller. Der Renner am Kioskwagen vor dem ICE-Bahnhof Limburg-Süd ist aber immer noch der Kaffee. Gut 100 frisch gebrühte Tassen verkauft Müller im Schnitt täglich zwischen 5. 30 Uhr und 9 Uhr. "Wir profitieren erheblich von den zahlreichen Verspätungen der Bahn in letzter Zeit. Wenn die Leute warten, wollen sie sich ja irgendwie Aufwärmen", sagt Müller. Denn nicht nur um den einsam, in einem zweieinhalb Kilometer vor Limburg im Feld vor stehenden Glasbau der Bahn pfeift der kalte Wind. Auch in der hohen, grauen Wartehalle ist es zugig und winterlich kalt. Die kleinen Heizkörper unter den wenigen Bänken rund um die Fahrkartenschalter können da kaum Abhilfe schaffen.

"Es wird immer gespottet, 'der einzige beheizte Raum ist die Toilette vor dem Bahnhof' und da kostet der Eintritt 30 Cent", ärgert sich fröstelnder ein Pendler. "Außer dem Kioskwagen gibt's hier überhaupt nichts." 
In der Tat: Die Gewerbeflächen, die die Domstadt rund um den ICE-Stopp auf der grünen Wiese ausgewiesen hat liegen noch brach. Das Land Hessen will hier die Behörde für Bodenmanagement mit rund 200 Mitarbeitern, hervorgehend aus den früheren Katasterämtern, ansiedeln. Ansonsten halten sich die Investoren noch zurück. 

Der ICE-Haltepunkt vor den Toren der Domstadt - als "mittelhessisches Tor zu den Zentren Europas" beworben - ist aber gut zwei Jahre nach Aufnahme des Regelbetriebs auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln/ Rhein-Main seinen Ruf als Sorgenkind los. Die Bahn hatte ursprünglich nur einen Betrieb bis zum Jahr 2007 garantiert und den weiteren Erhalt des Bahnhofs von den Fahrgastzahlen abhängig gemacht. Außerdem wurde in Limburg-Süd auf die Anbindung von Nahverkehrszügen verzichtet - im Unterschied zum ICE-Anschlusspunkt im 20 Kilometer entfernten Montabauer.

Weil mittlerweile aber bis zu 2000 Personen täglich die 44 Verbindungen am Limburger ICE-Bahnhof nutzen, ist seine Existenz aus Sicht der Bahn inzwischen gesichert. Laut Bahn kaufen rund 40 Prozent mehr Reisende Tickets von und nach Limburg, als noch vor einem Jahr. Damit habe der Bahnhof maßgeblich zum Erfolg der Schnellbahnverbindung beigetragen. So wohnen auch fast die Hälfte der Pendler, die das von Bahn und dem Flughafenbetreiber Fraport aufgelegte ICE-Jobicket kaufen, in der Nähe des Limburger ICE-Bahnhofs. Die Hochgeschwindigkeitsverbindung ist für die zahlreichen Limburger Pendler ins Rhein-Main-Gebiet attraktiv, weil sich die Fahrzeit nach Frankfurt dadurch auf etwa 25 Minuten halbiert.

Mit dem Zustand des Bahnhofs nach rund zwei Jahren Betrieb ist die Stadt Limburg nach Angaben von Bürgermeister Martin Richard (CDU) aber "ganz klar noch nicht zufrieden". Zurzeit überlege die Kommune, wie kurzfristig neue Parkplätze ausgewiesen werden könnten, berichtet Richard. Rund 800 PKW stellen Pendler täglich in den Straßen rund um den Bahnhof ab - Parkplätze direkt am Bahnhof gibt es für weniger als die Hälfte. Weitere Kritikpunkte: Im Bahnhof gibt es keinerlei festes gastronomisches Angebot und auch keine Toiletten. Hier hat die Stadt notdürftig für Abhilfe gesorgt, und ein Toilettenhäuschen auf dem Bahnhofsvorplatz gebaut.

Das freilich ist aus Sicht der Bahn "ausreichend", sagt Bahnsprecherin Cornelia Rauchenberger. Im Bahnhof würden auch künftig weiteren keine Toiletten eingebaut. Sie verweist in puncto Kundenservice außerdem darauf, dass seit Weihnachten die Öffnungszeiten des Bahnhofsgebäudes um eine Stunde verlängert wurden. Morgens ist jetzt schon ab 5 Uhr geöffnet, damit sich die zahlreichen frühen Pendler bei schlechter Witterung Schutz suchen können.

Um einen richtig beheizten Warteraum kümmert sich derweil Kioskbetreiber Klaus Müller. Der 48-jährige, der im Hauptberuf Hausmeister in einer Limburger Schule ist, hat inzwischen die Genehmigung, eine geschlossene Containeranlage aufzustellen, wo er eine Kiosk mit Sitzecke und eine kleinem Warteraum integrieren will. "Ich mache das nicht aus karikativen Motiven. Ich kann dadurch mein Geschäft ausweiten - und es ist wichtig der erste am Bahnhof zu sein", sagt Müller. So überlegt er beispielsweise auch, einen Kleider-Reinigungsservice für Pendler anzubieten. "Sie können ihre schmutzige Kleidung hier morgens abgeben und ein, zwei Tage später auf dem Nachhauseweg wieder mitnehmen." Denn der findige Kleinunternehmer ist sicher: Das Geschäft hier hat Zukunft." 

Infobox: Der rund 28 Millionen Euro teuere, zweigleisige ICE-Haltepunkt ist der einzige Bahnhof an der Schnellbahnstrecke Köln-Rhein/Main der komplett neu gebaut wurde. Der Bau des Bahnhofs war vom Land gefordert worden, damit Limburg einen Anschluss an die ICE-Trasse bekommt. Der nächste ICE-Haltepunkt im rheinland-pfälzischen Montabaur ist nur etwa 20 Kilometer entfernt. Seit der Streckeneröffnung 2002 ziehen beide Bahnhöfe anfang wegen ihrer nähe stark kritisierten Bahnhöfe immer mehr Pendler an - dadurch ist ihr Erhalt inzwischen auch gesichert. Die Bahn hatte die Zukunft der ICE-Haltepunkte auf der Trasse zwischen Frankfurt und Köln in der Vergangenheit stets an die Fahrgastzahlen geknüpft. 
kro
Powered by SmugMug Log In