Nasa nutzt Geräte aus Wetzlar im Weltall - Georg Kronenberg - Journalist
Frankfurter Rundschau

Mit Nikon, Zeiss und Olympus gehört Leica Microsystems zu den Marktführern in der Mikroskopie

Von Georg Kronenberg

Beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden sind sie genauso zur Aufklärung von Verbrechen im Einsatz wie beim amerikanischen FBI. Im Vatikan dienen sie zur Restaurierung von Gemälden: Mikroskope der Wetzlarer Optikfirma Leica Microsystems.

Wetzlar · 22. März · Viel Spielraum hat Thomas Blaas bei seiner Arbeit an dem kleinen, nicht einmal Fingernagel großen Stück Glas nicht. Der 39 Jahre alte Feinoptiker sitzt in einem Halbkreis vor Schleif- und Poliermaschinen und blickt kritisch zu dem seitlich stehenden Monitor, auf dem er das Ergebnis seiner Arbeit an der Mikroskop-Linse überprüfen kann. "Wir müssen auf 30 Nanometer genau arbeiten", sagt Blaas. Ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter. Die erlaubte Toleranz bei seiner Arbeit entspräche etwa also "einer Welle von zwei Zentimetern auf dem Bodensee", schätzt der Feinoptiker.  

"Man könnte schon behaupten, wir betreiben hier Haarspalterei", erzählt Martin Henche, Abteilungsleiter Oberflächenbearbeitung in der Wetzlarer Optikfirma Leica Microsystems, lachend. Trotz modernster Techniken und computergesteuerten Systemen sei bei der Objektivherstellung immer noch Handarbeit gefragt. "Die Maschinen allein sind nicht genau genug." 

Schließlich steht die Marke Leica für Qualität und Zuverlässigkeit. Der Entdecker des Tuberkelbazillus Robert Koch arbeitete genauso mit einem Mikroskop aus dem Hause Leica, wie Günter Blobel, Medizin-Nobelpreisträger von 1999. Forensische Vergleichsmikroskope aus Wetzlar werden beim BKA und FBI zur Analyse von Geschossen eingesetzt. Dazu kommen spezielle Bildbearbeitungsprogramme, berichtet Firmensprecherin Kirstin Henze. "Der Bereich Software wird immer wichtiger."

Der Vatikan nutzt Leica-Technik zur Untersuchung von Kunstwerken. Für die NASA entwickelt Leica Microsystems ein Forschungsmikroskop für den Weltalleinsatz. Die Optikfirma baut Operationsmikroskope für Kliniken ebenso wie Geräte, die in der Halbleiterindustrie zur Belichtung von Mikrochips benutzt werden. Je nach Gerätekonfiguration lägen die größten Vergrößerungen der optischen Mikroskope aus dem Hause Leica bei bis zu 25 000-fach, berichtet Henze. "Würde man ein Kleinbild-Negativ zum Beispiel 20 000-fach, vergrößern, so hätte das Bild etwa die dreifache Höhe des Kölner Domes."
Mit Nikon, Zeiss und Olympus gehöre die Optikfirma zu den weltweiten Markführern im Bereich Mikroskopie, rund 14 000 Objektive würden jährlich in Wetzlar produziert. "Wir bewegen uns immer zwischen Platz eins und vier", sagt Henze. 

Die Firma mit rund 800 Beschäftigten am Stammsitz in Wetzlar hat weltweit rund 3600 Mitarbeiter. 61 Prozent der Beschäftigeten arbeiten in Europa, 29 Prozent in Niederlassungen in Asien sowie 10 Prozent in Nordamerika. Bei einem Umsatz von 604 Millionen Euro betrug der Gewinn 2002 vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen 11, 3 Prozent. Für das abgelaufene Geschäftsjahr rechnet Henze mit einem schwächeren Ergebnis. Grund seien die vielen staatlichen Stellen als Kunden, bei denen es weniger zu verteilen gebe. 2004 sehe die Geschäftsentwicklung aber voraussichtlich wieder positiver aus.

Immerhin ist der Mikroskopbauer das größte Unternehmen im Leica-Konzern, der in die drei vollig selbständigen Firmen Leica Camera, Leica Geosystems und Leica Microsystems unterteilt ist. 
69 Ausbildungsplätze für Optiker, Mechatroniker, Elektrotechniker und Industriekaufleute hat Leica Microsystems im Wetzlarer Werk. Die Ausbildung werde groß geschrieben, denn "Optiker sind eine Spezies, die man selten auf dem Markt findet", berichtet Martin Henche. "Da braucht man Fingerspitzengefühl, gute Augen und viel Geduld." 

(Frankfurter Rundschau 23.3.04)
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