Wettenberg liegt beim Energiesparen vorn - Georg Kronenberg - Journalist
Frankfurter Rundschau

In fünf Jahren Verbrauch um eine halbe Million Kilowattstunden reduziert / Bürger haben ihr Verhalten geändert

Von Georg Kronenberg

Wettenberg · 5. Juli · Die Straßenlaternen in den drei Ortsteilen von Wettenberg sind ein Stil-Mix aus etlichen Jahrzehnten. Die ältesten Laternen stammen noch aus den 60er Jahren. Aber die Straßenbeleuchtung in der landschaftlich schön gelegenen Gemeinde mit rund 13 000 Einwohnern im Kreis Gießen hat es in sich, sagt Wettenbergs Umweltberater Michael Krick. "Dort wo es technisch möglich war, haben wir in den vergangenen Jahren auf Hochdruck-Natriumdampf-Lampen umgestellt. Die haben eine sehr hohe Lichtausbeute bei niedrigem Stromverbrauch und eine sehr lange Lebensdauer." Durch die Energiesparlampen konnte in den vergangenen sieben Jahren der Stromverbrauch für die Beleuchtung um 12,8 Prozent gesenkt werden.

Das ist freilich nur ein Beispiel, warum Wettenberg in der Klasse "Kommunen bis 20 000 Einwohner" unter 20 Teilnehmern bei dem bundesweiten Wettbewerb "Energiesparkommune" den ersten Platz belegt hat: Seit Anfang der 90er Jahre wurden etwa die Mehrzweckhalle, das Bürgerhaus und Kindergärten nach Energiespargesichtspunkten saniert. Zusammen mit der Straßenbeleuchtung konnte der Energieverbrauch zwischen 1998 und 2003 jährlich um 500 000 Kilowattstunden gesenkt werden.

Auch bei der Ausweisung des Gewerbeparks im Ortsteil Krofdorf-Gleiberg Anfang der 90er Jahre hat Wettenberg von Beginn an aufs Energiesparen gesetzt: Dort wurde etwa eine zentrale Nahwärmeversorgung mit Kraft-Wärme-Kopplung eingerichtet. Die Gemeinde führt seit 1990 eine detaillierte Statistik über den Energieverbrauch sämtlicher öffentlicher Gebäude. Das sei bei kleineren Kommunen bis heute nicht selbstverständlich, habe aber große Vorteile, sagt Krick. "Dadurch können wir monatlich den Verbrauch vergleichen und bei etwaigen Ausreißern schnell nach den Gründen suchen."

Seinen Posten bei der Gemeinde hat der Umweltberater seit 1989. "Ich war einer der ersten drei hier in der Region." Die Stelle sei im Rahmen eines Modellprojekts der damaligen Landesregierung von der Wettenberger SPD-Parlamentsmehrheit eingerichtet worden. Die Erfolge des kommunalen Energiemanagements sieht Krick in der "guten Zusammenarbeit von ehrenamtlich engagierten Bürgern, der Gemeindeverwaltung und dem Parlament" begründet. So hat sich im Zuge der Lokalen Agenda 21 in Wettenberg ein Energiebeirat gegründet, in dem fachkundige Bürger, etwa Heizungsbauer, sowie die Kommune und die Energieversorger Mitglied sind. "Wir versuchen die Bürger beispielsweise durch Artikel im Gemeindeblättchen zum Energiesparen zu animieren", sagt der Vorsitzende des Beirats, Eckhard Wiederuh. Gefragt ist die Vor-Ort-Beratung für Alt- und Neubauten, die der Beirat anbietet: Dabei überprüft ein Fachmann auf Wunsch die Effizienz der Heizungsanlage im privaten Anwesen, die Luftdichtigkeit oder sucht nach Stromfressern.

Die Kosten für die Untersuchung werden zu 60 Prozent von der Gemeinde übernommen. Die Kommune spart auch Energie durch ein geändertes Verbraucherverhalten. Nach einer Infokampagne bei Vereinen oder Verbänden, die regelmäßig etwa die Mehrzweckhalle oder das Bürgerhaus nutzen, sei in den öffentlichen Gebäuden der Energieverbrauch binnen Jahresfrist um zehn Prozent zurückgegangen, sagt Krick.

(Frankfurter Rundschau, 5.7.05)
Powered by SmugMug Log In